Die Zerbrechlichkeit des Lebens

By Jennifer / Februar 16, 2018

Hallo lieber Seelenfreund,

eigentlich war ein anderes Thema an der Reihe. Eigentlich wollte ich dies tun und jenes. Eigentlich war vieles geplant, doch ein kurzer Moment, nur ein winziger Augenblick und alles wurde anders.

Mein Augenblick war vor ein paar Tagen mitten in der Nacht, als ein unglaubliches Poltern und ein markerschütternder Schrei uns alle aus dem Tiefschlaf riss. Meine elfjährige Tochter hatte im Dunklen eine Treppenstufe übersehen und war die gesamte Treppe heruntergedonnert und landete mit dem Gesicht in einem hervorstehenden Stück einer Holzverkleidung.

Überall Blut, eine nervenaufreibende Fahrt in die Notaufnahme, zwei Ärzte, die das Gesicht meiner Tochter wieder zusammenflickten, Gipsverbände, Schmerzmittel, noch mehr Blut, eine Tochter, die mehrfach droht in den Schockzustand zu fallen, versuchen, sie so gut es geht vor den Eindrücken der Notaufnahme zu bewahren (eine Frau, die gerade ihre Pulsadern aufgeschnitten hatte und voller Blut auf einer Liege im Flur liegt, eine alte Frau, die sich das Becken gebrochen hatte und nicht aufhören kann vor Schmerzen zu schreien) dafür kämpfen, dass ich bei meiner Tochter im Zimmer bleiben darf usw.

Endlich, um vier Uhr morgens sitze ich im dunklen Zimmer neben dem Bett meiner Tochter und halte ihre Fingerspitzen. Der einzige Teil ihres Körpers, der nicht wehtut. Endlich ist sie eingeschlafen und endlich muss ich für einen kurzen Augenblick nicht mehr für sie stark sein, sondern fühle meinen eigenen Schock, meine eigene tiefe, unglaublich tiefe Angst. Ich zwinge mich, nicht daran zu denken, was alles hätte passieren können, dass mein Kind zum zweiten Mal haarscharf an einer Tragödie und dem Tod vorbeigeschlittert ist. Sie lebt, sie wird wieder gesund, ihre Wunden werden heilen.

Aber in mir fühle ich Wunden, die noch nicht geheilt sind. Und zwar Wunden des Verlustes. So oft und so viele Leben musste ich schon geliebte Menschen gehen lassen. Und ja, auch wenn ich weiß, dass wir auf Seelenebene miteinander verbunden bleiben, als Mensch inkarniert hier auf der Erde, tut es weh einen geliebten Menschen zu verlieren. Ihn nicht mehr in den Arm nehmen zu können, sich verlassen fühlen, sich allein gelassen fühlen auf dem Lebensweg.

Und wieder einmal wird mir bewusst wie zerbrechlich unser Leben ist. Dass es keine Garantie gibt wie lange wir mit unseren geliebten Menschen zusammen sein können, um das jetzige Leben auf Erden zu teilen, zu fühlen, zu erleben.

Ich fühle, in diesem Moment, in dem dunklen Krankenhauszimmer, wie mein goldener Schutzpanzer um meine Brust zusammenbricht. Ich hatte ihn einst angelegt im irrationalen Glauben, dass er mich genau vor diesen Schmerzen, vor diesen Ängsten beschützen wird. Ich muss erkennen, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil. Kein Panzer von außen, kein Leben auf Sparflamme schützt mich vor der Möglichkeit einen Verlust zu erfahren.

Verlust gehört zum Leben dazu. Das Sterben, der Tod gehören zu unserem Leben dazu. Und viele nicken dann und sagen: „Ja, das wissen wir!“ oder „Ich bin im Frieden mit dem Tod!“ Und was machen wir dann? Wir leben unser Leben auf SPARFLAMME weiter.

In dieser Nacht, zitternd und weinend am Bett meiner Tochter, habe ich für mich entschieden kein Sparflammenleben mehr zu führen, für mich nicht mehr. Ich werde meine Gefühle nicht mehr hinter einem Brustpanzer verschanzen. Ich liebe und ich teile diese Liebe und ich teile diese Liebe auch mit. Ich stelle mich hin und spreche meine Wahrheit und nein, nicht jeder muss meine Wahrheit teilen. Ich lasse jedem seine Wahrheit, aber ich werde mir meine Wahrheit nicht mehr von anderen zerreden lassen. Ich werde mir nicht mehr einreden lassen, dass ich falsch bin, weil ich meine elfjährige Tochter nicht alleine mit Schmerzen in einem leeren Krankenhauszimmer lasse. Und ja, ihr dürft mit den Augen rollen, weil ich über Engel rede oder über die Seele. Ja. du darfst mich für verrückt halten, weil ich an meine Seelen Sprays glaube und an meine Berufung. Ja, du darfst dich darüber aufregen, dass ich mit Spiritualität meine Familie ernähre. Es ist dein Leben, deine Gefühle, du darfst machen, was du willst. Ab jetzt ist das okay für mich. Ich werde mir das Verurteilen der anderen über mich und meine Art zu leben, nicht mehr zu Herzen nehmen. Dafür ist meine Lebenszeit zu kostbar. Ich bin richtig auch mit allen Fehlern die ich mache und noch machen werde. Aber es sind meine Fehler, nicht die deinen. Ich darf darüber urteilen. Du nicht. Du darfst deine Fehler machen und ich werde versuchen bei  mir zu bleiben.

Ich habe genug von gepanzerten Gefühlen und davon meine wahre Größe zu verstecken, nur damit ich im Sturm keine Wunden abbekomme. Ich habe genug davon mich zu rechtfertigen oder gar verteidigen zu müssen, für das, was ich bin, für das, was ich glaube und für das, was ich lebe. Das Leben ist unendlich kostbar, die Zeit, die ich jetzt habe, mit diesem Bewusstsein, mit diesen Erkenntnissen, mit diesen Erfahrungen, ist endlich.

Auch deine Zeit jetzt hier ist Endlich. Und ja vielleicht ist es dein letztes Leben auf Erden, vielleicht ist es dein letztes Leben hier als inkarnierter Mensch. Und wenn dem so ist oder wenn das nicht so ist: Verdammt noch mal, lasst uns was aus unseren Leben machen. Etwas, was größer ist als die ständige Angst irgendwelche Rechnungen nicht bezahlen zu können. Als der ständige Frust, weil dir irgendjemand einreden will, du wärest nicht gut genug: keine gute Mutter, kein guter Vater, keine gute Angestellte, kein guter Chef, kein guter Lebenspartner, keine gute Liebhaberin. HALLO? Du bist gut, nicht nur das: du bist großartig. Wir alle sind großartig, wenn wir im Fluss unseres eigenen Lebens fließen können. Wenn wir bereit sind, uns von unserem eigenen Leben erfüllen zu lassen. Wenn wir uns selbst ein Leben schöpfen, von dem wir es lieben uns erfüllen zu lassen.

Der Unfall meiner Tochter war für mich ein Weckruf. Wieder einmal. Nicht meine kostbare Zeit hier auf Erden zu vertrödeln, die Zeit zu vergeuden mit Gram, Angst, Hass, Wut, Neid, Sorgen oder schlechten Gedanken über mich oder über andere. Ich will was machen aus meiner Zeit. Nichts mehr machen, weil „man“ das so macht, sondern weil ich fühle, dass das jetzt für mich gut und passend ist. Ich will mich nicht mehr verrenken für andere, in der Hoffnung, dass ich ihnen dann gefalle. ICH BIN und du bist und entweder mögen wir uns oder nicht. Und das ist okay so. Das darf so sein. Ich muss nicht alle mögen und mich müssen auch nicht alle toll finden und doch können wir respektvoll miteinander umgehen und den Lebensweg des anderen würdigen.

Und wenn es das letzte Mal ist, dass ich hier bin (wovon ich mir bei mir selbst nicht sicher bin), dann will ich meine Zeit genießen, mit den Menschen, die ich liebe. Ich möchte Schokolade schmecken, und leckeren Sekt trinken, ich möchte noch mal nach Paris auf den Eiffelturm, ich möchte nach Kanada, ich möchte mit meinem Mann lachen, mit meinen Kindern ihre schönsten Erlebnisse teilen und auch für sie da sein, wenn das Leben mal hart für sie wird. Ich möchte ihnen mitgeben, dass sie großartig sind und das sie das beste Leben verdient haben, welches man nur haben kann. Ein jeder von uns hat das verdient. Dass man ihn liebt, dass man ihn wertschätzt, dass wir frei atmen können und dankbar sind für unsere Talente und Gaben.

Wenn es das letzte Mal ist, dass ich hier bin, dann will ich wissen, wie groß denn meine wahre Größe sein kann. Dann will ich erfahren wie viel Licht in mir ist und ich davon in die Welt geben kann. Dann will ich tun, was ich kann, damit meine Fußspuren auf Erden voll sind mit Lebenserfahrung, mit Lachen, mit Liebe, mit Erfüllung und Demut.

Und wenn dann der Moment kommt wo ich gehen muss und dieser Moment kann in jedem Augenblick sein, dann weiß ich, dass ich gelebt habe. Nicht auf Sparflamme, sondern voll und ganz. Dass ich meinen Kindern und meinem Mann so viel von mir gegeben habe, wie ich konnte, dass ich mir selbst so viel Leben gegeben habe wie ich konnte. Dass ich der Erde und den Menschen so viel Licht von mir gegeben habe, wie ich konnte und mein Leben selbst erleuchtet habe so viel ich eben vermochte.

Und dann? Dann werde ich weiterziehen, zur nächsten Aufgabe oder wieder kommen. Aber ich hoffe, dass ich mich daran erinnern werde, dass ich einst in der Lage war aus meiner kostbaren Lebenszeit etwas Großartiges zu machen. Und wenn das einmal möglich war, dann ist es wieder möglich. Wieder und wieder. Schöner und Schöner und erfüllter.

Ab jetzt lasse ich mich von meinem Leben erfüllen, ab jetzt tauche ich mehr und mehr ein in meine wahre Größe. Und ich lade dich ein, nutze deine Lebenszeit. Gemeinsam ist noch so viel mehr möglich. Noch so viele Wunder, die auf uns warten, so viel Geschenke auf dem Weg, die ausgepackt werden  möchten.

Ich danke meinen Kindern, dass sie hier sind und mich daran erinnern, zu lieben, zu fühlen, ganz und gar ohne doppelten Boden und Sicherheitsnetz. Ich danke ihnen, dass sie mich erinnern, wie kostbar unsere Lebenszeit ist und dass wir keine Garantie haben, wie lange es noch andauert. Ich danke jedem, der ein Stückchen seines Weges mit mir teilt im gegenseitigen Wahrnehmen des anderen Lichtes. Ich freue mich, deine wahre Größe zu sehen, jenseits von Drama und gepanzerten Emotionen. Ich freue mich über mein Licht, welches ich erstrahlen lassen darf und über deins, welches mir ein Wegweiser sein kann, wenn ich selbst gerade im Dunklen stehe.

Auf ein großartiges Leben, jetzt und zukünftig.

Alles Liebe, deine Jennifer

About the author

Jennifer

Jennifer Weidmann - Gründerin von urvertrauen Ich nehme dich mit auf eine fantastische Reise zu deiner Seele, in die Welt der Engel oder Magie. Ich folge meiner Berufung, teile meine Wahrheit mit dir. Lass uns gegenseitig berühren, inspirieren, schöpfen und die Welt und unsere kostbare Lebenszeit so einzigartig und wundervoll wie möglich machen. Schön, dass du da bist.

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