NEIN! Das JA zu deiner WEIBLICHKEIT

By Jennifer / Februar 16, 2018

Im Rahmen meiner Tätigkeit im Netzwerk „Von Frauen-für Frauen“ bin ich gebeten worden einen Artikel über die „Wunden der Weiblichkeit“ zu schreiben. (ich dumme Nuss habe das Thema auch noch vorgeschlagen). Ja, und da saß ich nun, fast acht Wochen lang und das Thema arbeitete und arbeitete in mir. Was soll ich bloß schreiben? Wie das Thema angehen? Wie meine Wut in Zaum halten? Wie es formulieren ohne anzuklagen? Wie spirituell bleiben, in meiner Mitte, im Frieden, in Demut bei diesem heiklen Thema?

Es hat gedauert, eigene Themen, alte Wunden wollten noch einmal angeschaut und ins Licht gebracht werden. Aber nach meinen eigenen Schattenblicken, sitze ich nun hier und schreibe in Frieden diesen Artikel. In Frieden mit mir selbst, mit den wunderbaren Männern (deren Sein ich wirklich liebe), mit den tollen Frauen (für die dieser Artikel ist) und dem kosmischen Spiel, welches wir miteinander hier auf Erden spielen.

Wer von uns kennt nicht Frauen, deren Grenzen massive überschritten worden? Wer von uns Frauen hat nicht auch schon Situationen erlebt in denen die Integrität der Grenzen massiv von außen bedroht wurde. Es fühlt sich so an, als würden die wenigsten Frauen durch ihr Leben kommen ohne mindestens einmal in eine „gefährliche“ Situation zu geraten.

Meine „gefährlichste“ Situation fand während meines Austauchjahres in Amerika statt, als mein Gastvater der Meinung war, er könnte doch mehr für mich sein als nur mein Gastvater. Schließlich wären wir deutschen Mädels doch so freizügig und würden auf Sex stehen. Für mich endete es mit zwei von Rasierklingen aufgeschnittenen Armen und Händen. Ein Akt um irgendwie mit meinem Gefühl von Schuld, Scham, Ekel, Hilflosigkeit und vor allem mit meiner so stark unterdrückten Wut umzugehen. Irgendwie trug ich das Gefühl in mir: Ich bin schuld.

Und natürlich hat die Außenwelt es auch so gesehen. Ja, ich war extrem sexy mit siebzehn Jahren. Tolle Figur mit den Kurven an genau den richtigen Stellen, wilde lange Haare, strahlend grüne Augen, habe gerne kurze Röcke getragen, coole Stiefel. Hey, mit so einem Aussehen kann man doch nichts anderes wollen, als in die Kiste gezerrt zu werden. Bin ja selbst schuld, dass ich so aussehe? Hallo???

Ich wurde nach Hause geschickt – Gott sei Dank – und durfte zwei jahrelang in Therapie wegen Selbstmordgefahr gehen. Dabei war ich nicht selbstmordgefährdet. Ich wusste nur nicht wohin mit all meinen schlechten Gefühlen, die dieses Ereignis in mir ausgelöst hat. Wohin mit meiner Wut? Wohin?

Aber wir Frauen sind stark. Wir stehen wieder auf und gehen weiter. Ich durfte während meiner therapeutischen Arbeit so viele dieser starken Frauen kennen lernen. Was einem Teil von ihnen passiert ist, kann man, ja möchte man nicht mehr in Worte fassen. Dagegen war meine Erfahrung in Amerika eine Lappalie gerade zu. Und doch sind diese Frauen aufgestanden, machen weiter, leben, versuchen das Beste daraus zu machen.

Natürlich wäre es jetzt einfach mit dem Finger nach außen zu zeigen, auf die Männer, die uns das angetan haben, die uns das antun. Auf die Frauen, die darum wissen und wegsehen, vielleicht sogar stillschweigend mithelfen, damit es sie nicht trifft. Doch wohin würde der Finger uns bringen? Nirgendwo hin.

Die Heilung, die Veränderung, der Wandel, der beginnt nur in uns selbst. Sicherlich kann man das Thema von vielen Seiten angehen. Ich halte jetzt gerade ein winziges Puzzleteil eines immens großen Bildes in der Hand. Aber dieses Puzzleteil möchte ich dir gerne vorstellen und mit auf deinen Weg geben. Vielleicht kannst du ja auch etwas damit anfangen.

Einige unserer größten weiblichen Stärken sind zeitgleich die Angriffspunkte, die es ermöglichen, dass Mann/Frau so massiv über unsere Grenzen gehen kann.

In uns ist das wundervolle Potenzial der bedingungslosen Mutterliebe verankert. Unsere Kinder, wenn sie geboren werden, bedürfen dieser wundervollen Gaben: dass wir sie bedingungslos Lieben, dass wir uns aufopferungsvoll um sie kümmern, dass wir ihre Bedürfnisse erspüren und sie befriedigen, dass wir ein Umfeld erschaffen, welches harmonisch ist, dass wir sie umsorgen und sie mit unserer Kraft speisen, damit unsere Kinder gut in diese Welt hineinwachsen können.

Ja, diese einzigartigen Gaben tragen wir in uns, gleichgültig ob du nun Mutter bist oder nicht. Es sind wundervolle Gaben, die wir einsetzen können, um Gutes zu tun, nicht nur um unsere Kinder groß zu ziehen. Mit diesen Gaben bereichern wir in vielen Bereichen das menschliche Miteinander in den verschiedensten Bereichen ob nun als Krankenschwester, Ärztin, Lehrerin, Kindergärtnerin, Altenpflegerin, Chefin, Assistentin, Heilpraktikerin, Therapeutin usw. Es sind gesegnete Gaben, um unserer gemeinschaftliches Miteinander zu bereichern, zu unterstützen, zu fördern und zu stabilisieren.

Nur leider haben diese Gaben einen entscheidenden Schwachpunkt: die mangelnde Wahrnehmung unserer eigenen Grenzen, unserer eigenen Bedürfnisse. Für alle Mütter: ihr wisst wie es ist, wenn man sein Leben mit einem Neugeborenen durchlebt. Die eigenen Bedürfnisse werden hinten angestellt. Die Sorgen und das Kümmern haben absoluten Vorrang vor allem. Man ist ganz da für einen anderen Menschen. Ja, hier ist es auch richtig. Unsere Grenzen werden eingezogen, um ganz für das Baby dazu sein. Aber hier brauchen wir auch keine Sorgen zu haben, dass dieser Rückzug unserer Grenzen ausgenutzt und verletzt wird. Das kann ein Baby nicht. Anders sieht es aber aus mit jungen und erwachsenen Menschen. Hier ist es nicht schlau, auf seinen eigenen energetischen Raum zu verzichten. In Begegnung mit anderen Menschen ist es ratsam immer gut auf die eigenen Grenzen zu achten und sie zu wahren, damit keine Überschreitungen passieren, die uns zutiefst verletzen und schaden können.

Aber unsere Aufgabe als Frau ist es u.a. unser weiblichen Gaben in ein gesundes Gleichgewicht mit unseren Bedürfnissen zu bringen. Uns nicht zu „VERAUSGABEN“ für andere im Außen, sondern anzufangen zu „VEREINGABEN“ für uns selbst im Inneren. Nur wenn wir uns selbst gut um uns selbst kümmern, um unsere Bedürfnisse wissen, diese achten, pflegen und nähren, nur dann, können wir unsere Gaben – gut geschützt- im Außen wahrhaft zur Entfaltung bringen.

Ein Weg wie du dorthin gelangen kannst, ist die Reise zu deinem eigenen NEIN. Ja, es ist eine Reise. Damit meine ich, es ist ein Entwicklungsprozess den wir Schritt für Schritt gehen, um unsere Bedürfnisse, unsere Grenzen immer besser wahrzunehmen, zu achten und vor allem zu schützen und zu ehren. Ein klares NEIN im Außen, wird uns zu einem klaren JA zu unserer eigenen Weiblichkeit und unseren einzigartigen weiblichen Gaben bringen.

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NEIN wir brauchen nicht jedem zu gefallen (gleichgültig ob es deine Figur, dein Charakter, dein sonstiges Aussehen, dein Beruf, dein Lebensstil usw. ist) –  du darfst dir selbst gefallen, genauso wie du bist: weiblich, einzigartig, talentiert und immer WUNDERSCHÖN.

NEIN du brauchst nicht für jeden die Mutter sein. Für deine eigenen Kinder: JA, Aber nur für die. Du bist nicht die Mutter für deinen Partner, deinen Vater, deine Mutter, deine Freunde, deinen Chef, deine Angestellten. Nein bist du nicht. Du bist ein Mensch auf Augenhöhe, der genauso Wünsche und Bedürfnisse hat, die es zu achten gilt.

NEIN es ist nicht deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es allen anderen gut geht, um jeden Preis. JA dazu, das es dir selber gut geht. Und ich meine hier nicht ausgeprägten Egoismus, sondern Selbstachtsamkeit, Selbstliebe, Selbstrespekt und Selbstwürde. Das steht dir zu. So wie es auch jedem anderen zusteht. Lerne das zu geben, was du geben möchtest, und aufzuhören, wenn es über deine Grenzen und dein Wohlbefinden geht, frei von Schuldgefühlen oder schlechtem Gewissen.

NEIN es braucht nicht immer harmonisch zu sein. Die Geigen müssen nicht immer auf Wolke 7 spielen. Manchmal darf es auch kesseln. Es darf kriseln, knistern, knacken und auch mal so richtig krachen. So entsteht Reinigung, Wachstum. Das alles ist besser als „aufgesetzte“ Harmonie. Harmonie, die ihren Preis darin hat, dass du deine eigenen Grenzen und deine Bedürfnisse verleugnest und übergehst. Wenn du tief in deine Weiblichkeit und deine weiblichen Stärken eintauchst, wirst du erfahren, wie viel Power darin verborgen liegt. JA du kannst gegenhalten. JA du kannst ein NEIN tragen mit allen Konsequenzen. Wer dein NEIN nicht tragen kann, der liebt dich nicht wirklich, der nutzt dich aus. Ist es das, was du im Leben erfahren möchtest?

Ich nicht. Nicht mehr. Ich habe genug davon, meine wahre weibliche Stärke, mein weibliches Sein zu verstecken und/oder klein zu halten. Ich habe genug davon degradiert zu werden auf Brüste, Scheide, Figur, Hysterie, Gezicke, PMS, Hormone und Unlogik von einer Männer dominierten Welt. Du auch?

Dann lade ich dich ein: Lasst uns gemeinsam wieder unsere weibliche Macht und Stärke annehmen und leben. Die Zeiten der Grenzüberschreitungen haben sich überholt. Es ist Zeit, dass das zu Ende geht, zum Wohle aller Frauen auf dieser Erde. Die Zeit der Augenhöhe, der wahren Gleichberechtigung darf jetzt beginnen. Wir können die Welt nicht sofort im Großen verändern. Aber wir können anfangen uns zu verändern. Jede einzelne Frau kann anfangen NEIN zu sagen, dass ihre weiblichen Gaben ausgenutzt werden, um uns zu schaden. NEIN zu sagen zu Grenzüberschreitungen jedweder Art. NEIN zu sagen und klar zu stellen, das ein NEIN auch ein NEIN bedeutet, kein vielleicht, eventuell oder doch oder ja oder so. NEIN ist NEIN, fertig! Lasst uns anfangen die Einhaltung unseres weiblichen NEINS auch einzufordern. Steh zu dir selber. Acht gut auf dich, achte auf deine Bedürfnisse. Finde heraus was du willst, was du brauchst.

Gleichgültig was du tust, hinterfrage dich selbst: Ist es das, was ich jetzt auch machen möchte.  Wenn sich irgendetwas nicht gut, nicht richtig anfühlt, dann halte inne. Sage NEIN und finde heraus, warum es sich nicht gut, nicht richtig anfühlt. Arbeite daran dein JA zu finden. Zu was kannst du bedingungslos JA sagen. Die Erkenntnis deiner NEINs kann dich zu deinen JAs führen, die gelebt werden möchten in ihrem schönsten, höchsten Ausdruck und Potenzial.

Weiblichkeit ist so wunderschön, so fantastisch, so segensbringend. Feier deine Weiblichkeit. (und ehre die Männlichkeit, denn sie ist wunderschön, stark, segensbringend, wenn sie im JA ergriffen wird von den Männern und auch von uns Frauen)

Du hast die Macht die Welt zu verändern in dem du dich änderst. In dem du bedingungslos und 100% JA sagen kannst zu deiner weiblichen Stärke. Lebe sie, bringe sie in die Welt. Und Frauen fangt an euch ehrlich und respektvoll miteinander zu verbinden. Es geht nicht darum wer schöner, schlanker, jünger oder sonst wie aussieht. Wer den tolleren Mann, den besseren Job, die intelligenteren Kinder, das größere Haus etc hat. Ende damit. In unserem Blut, in unserer DNA, schlummert das Wissen darum, wie es einst in unseren großen Hochkulturen war, erinnere dich daran. An die Zeiten der tiefen Verbundenheit der Seelenschwestern. Wir sind stark, wir sind machtvoll, wenn wir uns gegenseitig achten, ehren und unterstützen.

Danke, dass du hier bist und deine wahre Weiblichkeit lebst und in die Welt bringst.

 

Jenny Foto bearbeitet     Liebe Grüße, deine Jennifer

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